• Rosslyn
  • angel soldier (Innsbruck 2016)

    Kann Kunst die Katastrophen der Welt aufhalten, die vom Menschen selbst verschuldet, seinen Untergang verantworten? Gibt es noch Plätze der Vernunft, des Einsehens, des Anhaltens, der Ruhe, der Heimat? Diese Fragen stellt die deutsche Performance-Künstlerin Mia Florentine Weiss auch jetzt wieder einer Audience, die ganz aktuell auf der Art Innsbruck zwischen Kunst und Kultur wandelt. Als ambivalenter Angel Soldier demonstriert die Künstlerin, dass ein Einsehen, eine Erkenntnis immer wieder unauflösbare Widersprüche produziert. Sie wandelt selbst als ein Hybridwesen aus Engel und dem Untergang geweihten Soldaten durch die Menge und zeigt, dass die Menschen heute sich noch weiter von ihrem Paradies entfernen denn je. Mit der Performance stellt Mias Florentine Weiss den Zufluchtsort „Planet Erde“ genauso infrage wie die Daseinsberechtigung von Kunst bzw. dem Kunstraum per se als etwas nur „additives" gegenüber dem „necessarius“, also dem Überlebensnotwendigen. Die Performance ANGEL SOLDIER beginnt am Freitag, 29. Januar 2016 ab 17.00 Uhr auf der Messe ART Innsbruck / Stand artdepot.

    Heimatlosigkeit, die Suche nach einem Platz der Geborgenheit, eine Welt zwischen Liebe und Hass sind die Themen, mit denen sich die deutsche Performance-Künstlerin Mia Florentine Weiss auseinander setzt. Ein Thema ist zum Beispiel das „Cocooning“, das Einspinnen und sich gegen die Außenwelt Verpuppens. Es ist mittlerweile ein gesellschaftliches Sujet und an amerikanischen Universitäten in Form der "Safe Spaces“ im Netz sowie außerhalb der digitalen Datenbahnen genauso normal geworden wie die Absurdität, die eine solche Sehnsucht mit sich bringt. Der Wunsch nach dem Ort, wo wir Menschen „frei sprechen und handeln dürfen“, ohne Verunglimpfung oder Verfolgung, scheint Realität gewordene Utopie geworden zu sein….

    Seit über einem Jahrzehnt hat die kosmopolitische Künstlerin rund um den Globus Menschen aller Altersschichten und unterschiedlicher Kulturen nach ihrem persönlichen Schutzraum mit der Frage „What is your place of protection?“ konfrontiert. Von den indigenen Völkern Afrikas über die Verlierer des "Vom Tellerwäscher zum Millionär"-Roulette in Kalifornien, wo die Künstlerin Obdachlose begleitet hat, bis hin zu den Opfern mörderischer Bürgerkriege im Nahen Osten reicht das Spektrum. Viele Menschen haben Mia Florentine Weiss neben ihren Antworten auch Gegenstände mitgegeben, um sie in das Flügelpaar des von ihr geschaffenen PEGASUS einzubauen - die Dermoplastik eines weißen Pferdes mit Leucht-Flügeln.

    Die apokalyptische Skulptur symbolisiert die Unschuld aber auch den Terror unserer Zeit in einem bipolaren Spannungsfeld: Ein Flügel symbolisiert Hoffnung (Frieden), sein Gegenstück den Abgrund unserer Welt (Krieg). PEGASUS wird im Rahmen der Einzelausstellung DER NABEL DER WELT mit weiteren Foto- und Videodokumentationen sowie Objekt- und Installationskunst von Mia Florentine Weiss in Deutschland im Frankfurter Senckenberg Museums noch bis Februar 2016 gezeigt und war während der "Biennale 2015" in Venedig im Palazzo Albrizzi/Deutsch Italienisches Kulturgesellschaft ausgestellt. Das „Love&Hate“-Monument, Nukleus der von Weiss in Innsbruck ausgestellten Werke, befindet sich gegenwärtig in voller Größe als eine sieben Meter breite und drei Meter hohe Skulptur aus Corten-Stahl ebenfalls in Frankfurt vor dem Eingang des Senckenberg Museums. „Love&Hate“ hat die Künstlerin als eine coincidentia oppositorum bzw. einen Zusammenfall der Gegensätze konzipiert. Mit einem einfachen Effekt, der die Online- mit der Offline-Welt verbindet, wird das Zeichen für die Gegensätze gespiegelt. Liebe ist nicht ohne Hass möglich, Hass nicht ohne Liebe.

    Mia Florentine Weiss hat bereits in der Vergangenheit durch ein breites Spektrum an Performances auf sich aufmerksam gemacht. Während der Art Basel Miami als Blutüberströmter ART ANGEL mit überdimensionalen Engelsflügeln auf dem Rücken, um der Kunst den Krieg zu erklären sowie auf der Art Basel/Schweiz in einer Zwangsjacke BLINDED BY THE ART OF MONEY. In einem lebensgroßen Inkubatorobjekt PLEASE DO TOUCH! führte die dem Betrachter die verschwimmende Grenze zwischen Schutz und Schutzlosigkeit vor Augen. Hochschwanger widmete sie dem Bauch mit dem darin verwurzelten Uterus als Metapher und Zentrum ihres Schaffens eine interaktive Performance bevor sie mit ihrem Neugeborenen Kind im Senckenberg Museum inmitten anatomischer Anomalien ein Tableau Vivant konzipiert, wo an einer Brust das Kind saugt und an der anderen eine Milchpumpe: MUTTERTIER zwischen Mensch und Maschine! Bei der Performance DIGITAL AUTISM wurden die Besucher aufgefordert, mit der im Bett liegenden Künstlerin ausschließlich medial zu kommunizieren, obwohl die Betrachter ihr während des Gallery Weekends in Berlin live gegenüberstanden. Die Künstlerin befand sich während des gesamten Ausstellungswochenendes in demselben Gefängnisbett, in welchem sie bei der "Dokumenta 13" 24 Stunden lang schlief: PEACE NEVER SLEEPS!

  • ANGEL SOLDIER

  • Angel Soldier 1

    Angel Soldier 1

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